Wirbelwind oder heiße Luft?

Der Scirocco bringt frischen Wind in die Coupé-Klasse

Die Front trägt VWs neue Formensprache

Das Original war wesentlich kantiger

2008er Scirocco

2008er Scirocco

In den Siebzigern ging es rund in Sachen VW: plötzlich war der Golf da, auf einmal wurde mit Wasser gekühlt und dann sorgte auch noch der Scirocco für frischen Wind in der Branche. Kann sein Enkel an den spektakulären Auftritt des Urahnen anknüpfen?

Der IROC verblüffte die Automobilwelt. Sollte er die Historie des Scirocco fortsetzen? Die aggressive Front war so gar nicht Volkswagen-typisch, im Sog der Retro-Welle vermissten Viele die Anleihen an das Original. "Das wollen wir auch gar nicht", hieß es damals wie heute. Der Scirocco hatte seinerzeit rein gar nichts mit seinem Vorgänger, dem Karmann Ghia, zu tun. Und so würde auch die dritte Generation fast 35 Jahre nach der Vorstellung des Original nichts mehr mit diesem gemein haben. Okay, außer dem Namen und einem wassergekühlten Motor vielleicht. Mit gutem Willen könnte man auch die Doppelscheinwerfer als (ungewolltes?) Retro-Element interpretieren. Fakt ist: der Scirocco 3 ist ein modernes, zeitgemäßes Auto, das letztendlich die alten Stärken wieder aufgreift: bekannte Technik und ein akzeptables Platzangebot in einer sportlichen Hülle zu vereinigen. Aus heutiger Sicht wirkt das Coupé viel angriffslustiger und bulliger als damals. Aber die Zeiten ändern sich: in den Siebzigern war das kantige Heck up to date, heute sind es die "strammen Waden" über der breiten Spur. Genug sinniert - Türen auf und los geht´s!
Das Interieur ruft - je nach Ausstattung - fast schon eine erste Enttäuschung hervor.

Ist das alles? Sportlich-bequeme Sitze und schicke Zuziehgriffe, zugegebenermaßen, aber ansonsten eher dunkle Langeweile mit wenigen Alu-Applikationen. Nicht einmal eine Scirocco-Stickerei in den Sitzen oder ähnliches. Ein Blick in die Liste der Optionen (und in andere Testwagen) beruhigt die Gemüter: wer will, kann sich den Scirocco mit einer Lederausstattung inkl. Intarsien in den Türverkleidungen oder dem Sportpaket mit einer Stoff-/Alcantara-Kombination in verschiedenen Farben schön machen. Die Vordersitze verfügen über eine Easy-Entry-Funktion, fahren also nach dem Vorklappen in die ursprüngliche Position zurück. Die Fond-Passagiere werden vermutlich zunächst zögerlich nach hinten klettern: der schwarze Himmel und die kleinen Fenster lassen ihre Sitzreihe eng und düster wirken. Tatsächlich findet man aber auch hinten ordentlich Platz.

Der beste Platz ist natürlich vorne links. Das unten abgeflachte Lenkrad mit den Griffmulden in Daumenhöhe weiß zu gefallen. Man kann es kaum abwarten, endlich am Volant zu kurbeln. Das wirft natürlich die Frage nach der Motorisierung auf. Und jetzt wird es - zumindest aus damaliger Sicht dramatisch - da steht doch glatt ein TDI in der Ausstattungsliste, mit immerhin 140 PS. Und 2009 soll noch ein 170-PS-Diesel kommen. Aber passt ein Selbstzünder überhaupt in ein Coupé? Das ist und bleibt wohl eine Frage der Philosophie, die man bei Audi ja bekanntlich bereits beantwortet hat. Außerdem: hieß es vor einigen Jahren nicht noch "Cabrio mit Diesel geht gar nicht"? Ging aber doch. Trotzdem passt ein quirlig hochdrehender Benziner sicher besser zur Charakteristik des Scirocco als ein drehmomentstarker Nagler.
Dank des 122 PS starken Einstiegs-TSI beginnt auch die Preisgestaltung des Coupés erfreulich niedrig. Das war bekanntlich auch die Stärke des Ur-Scirocco. Da wird sich sicherlich der ein oder andere Golf-Kunde überlegen, ob er nicht doch zum optisch ansprechenderen Coupé greift. Die nächste Stufe wäre dann der 1,4 Liter kleine 160-PS-Motor. Beide Triebwerke reichen für eine gewisse sportliche Fahrweise.

Von: Thomas Pfahl

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