
Prototyp aus den 50er Jahren

Die Form war seinerzeit ungewöhnlich

Frontantrieb im Kleinwagen!

Erst 1975 kam der Polo

Fotos: VW
Seit Dezember 2011 ist der up! auf dem Markt und demonstriert, wie groß ein Kleinwagen auftrumpfen kann. Zum Beispiel mit zahlreichen Auszeichnungen – zuletzt erhielt er von der europäischen Verbraucherschutz-Organisation Euro NCAP fünf Sterne für sein umfangreiches Sicherheitskonzept. Doch wer ihn als Urahn des ersten Polos sieht, liegt daneben: die Entwicklung eines Kleinwagen-Konzepts hat schon viel früher begonnen - mit dem EA48.
Der EA48 überraschte in den 50er Jahren mit einem für damalige Verhältnisse revolutionären Technik-Package – und war damit seiner Zeit weit voraus. Noch heute sind viele innovative Details dieses Prototyps in allen Kompaktklassewagen selbstverständlich. Dabei war der "Entwicklungsauftrag 48" war nicht nur die erste Wolfsburger Kleinwagenkonstruktion, sondern auch das erste vollständig in Eigenregie entwickelte Fahrzeug.
Obwohl der Käfer bereits seinen Siegeszug angetreten hatte, wollte VW auch den Markt unterhalb des Bestsellers bedienen. Die Bedeutung von Klein- und Kleinstwagen wurde in Deutschland in der ersten Hälfte der 50er Jahre immer größer. Der von Entwicklungsingenieur Heinrich Seibt vorgegebene Masterplan für den EA48 liest sich noch heute zeitgemäß: kompakte Abmessungen bei höchstmöglichem Nutzwert, vier Sitze, Frontantrieb. Gewagt waren diese Vorgaben zweifellos, stellten sie doch das Gegenteil des Käfer-Layouts mit Heckmotor und -antrieb dar.
Der kleine Viersitzer trumpfte mit zahlreichen geradezu revolutionären Details auf. So besaß er als erster frontgetriebener Kleinwagen überhaupt ein Schrägheck: ein Gestaltungsmerkmal, das sich erst in den 70er Jahren durchsetzte und damals die Antwort der Stylisten auf die Vorgabe war, auf kleinstem Raum maximale Raumökonomie zu erzielen. Ebenfalls zukunftsweisend: die selbsttragende Pontonkarosserie und die kleinen 13-Zoll-Räder, die bei Continental speziell für den Prototyp angefertigt wurden.
Der spätere Volkswagen Transporter-Entwickler Gustav Mayer gab dem EA48 eine weitere Innovation mit auf den Weg: Ihm gelang es erstmals, das platzsparende McPherson-Prinzip mit Frontantrieb und dessen Lenkmechanismus zu kombinieren. Heute steckt die Kombination aus Schraubenfeder, Stoßdämpfer und Querlenker in nahezu allen Fahrzeugen mit Frontantrieb.
Beim Motor verließ man sich auf Bewährtes: Der vorn eingebaute Zweizylinder-Boxer erwies sich auf den ersten Blick als halbiertes Käfer-Herz. Seine Leistung wurde in den Testprotokollen als absolut ausreichend bezeichnet – der relativ leichtgewichtige EA48 verfügte über ein ausgezeichnetes Leistungsgewicht. Die Fahreigenschaften des kompakten Meilensteins beurteilten die Piloten bei den internen Testfahrten als sportlich, das Handling erhielt herausragende Noten.
So sehr der EA48 seiner Zeit auch voraus war – er ging nie in Serie. Seine Marktchancen wurden als zu gering eingeschätzt, zudem sollten die vorhandenen Produktionskapazitäten ausschließlich für den auch im Export immer erfolgreicheren Käfer genutzt werden. Dennoch: Der EA48 ist der Erste seiner Art – und als Meilenstein der VW-Produkthistorie der Vorläufer aller späteren frontgetriebenen Volkswagen-Kompaktwagen wie zum Beispiel dem Polo 1975. Oder eben dem aktuellen up!.
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