Ein bisschen Spaß muss sein


1968er Käfer mit 150 PS

Dieser Käfer war vier Jahre alt, als Schlagersänger Roberto Blanco 1972 mit dem Hit „Ein bisschen Spaß muss sein“ seinen größten Erfolg feierte. Der eine oder andere Leser der VW Scene wird das Auto kennen – obwohl er es heute nicht mehr wiedererkennt. Zum einen war der Käfer aus dem Baujahr 1968 seinerzeit beigefarben, und zum andern steckte ein 90 PS starker Passat-Motor im Heck. Puristen mögen die Nase rümpfen, aber unter der Überschrift „Wasserfall“ wurde dieser Volkswagen mit dem wassergekühlten 1,8-Liter-Triebwerk 1989 vorgestellt. „Das ist aus heutiger Sicht ganz sicher ein Stilbruch“, urteilt der jetzige Besitzer Reinhard Bahls, 54, aus Papenburg. „Als ich den Käfer im Mai 2011 übernahm, war ein 16V-Motor verbaut und der VW fuhr Achtelmeilen-Rennen“, erinnert er sich. Reinhard wollte unbedingt wieder einen Boxermotor implantieren.

„Mein Schwager baute einen 2,1-Liter-Motor neu auf, mit Porsche-Gebläse und 48er Weber-Doppelvergasern. Das luftgekühlte Triebwerk leistet 150 PS“, schwärmt er. Schließlich sollte der Käfer wieder so richtig Spaß machen. Dafür waren aber aufwändige Rückbauten erforderlich. Schließlich fehlte beim Kauf des Krabbeltiers die originale Brandwand, die dem Platzbedarf des wassergekühlten Motors zum Opfer gefallen war. Die komplette Ablage hinter der Rücksitzbank musste erneuert werden, was Reinhard in Eigenarbeit erledigte. Der verbaute Wasserkühler eines VW Polo verschwand aus dem vorderen Reserveradraum. zeitgleich wurde eine neue Kofferraumhaube montiert, da die alte Kühlschlitze aufwies.

Außerdem verbaute Reinhard eine Kerscher-Bremsanlage und sorgte mit einen nagelneuen, selbstgefertigten Kabelbaum für eine tadellose Elektrik. Der Käfer, ein auf Schaltgetriebe umgerüsteter ehemaliger Automatikwagen, trägt die begehrte Schräglenker-Hinterachse, die sich durch Verdrehen der Federstäbe verstellen lässt. Außerdem verfügte der Käfer bereits beim Kauf über eine verstellbare Vorderachse von CSP und auch die 16 Zoll großen Fuchs-Felgen gehörten - ebenso wie die roten Zweikammer-Rückleuchten - schon damals dazu. Reinhard ließ sie aufarbeiten, um sie in voller Pracht wie neu erstrahlen zu lassen. „Meine Frau Manuela kümmerte sich während des Projekts um die Innenausstattung“, erzählt der VW-Fan. So entstand der Dachhimmel in Eigenbau aus Velours. „Probleme beim Aufbau gab es nicht, aber die Arbeiten zogen sich über ein Jahr hin“, erklärt Reinhard. Die Porsche-Instrumente im Armaturenbrett besaß der Käfer bereits.

Er und seine Frau haben ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Käfer – schließlich ist es ihr gemeinsames Geschenk zur Silberhochzeit. „Wir gönnten uns diesen VW“, erläutert Reinhard. Er hatte schon lange nach genau so einem Auto gesucht. „Das war kein Zufall, weil ich diesen Käfer bereits kannte. Er gehörte einem Kollegen, der ihn schließlich verkaufen wollte. Wir wurden uns sofort einig“, erinnert sich Reinhard, der früher bereits einen 1303er Käfer aufgebaut hatte. Als Maschinenführer fiel es ihm nicht schwer, die meisten Arbeiten selbst durchzuführen. „Ich schraube gern an Autos und besuche VW-Treffen“, bekennt er. Im Wageninneren fallen das Momo-Lenkrad mit Holzkranz, der Gene-Berg-Schalthebel und die Recaro-Sitze sofort ins Auge.

Gekauft wurde der Käfer damals für 7.500 Euro. Nochmal so viel, bzw. sogar noch einiges mehr kostete der Neuaufbau. Zum Abschluss wurde der Käfer in der Originalfarbe Sterlingsilber lackiert, die ihm perfekt steht. „Eigentlich hatten wir an Schwarz als Farbe gedacht, aber zum Glück haben wir uns anders entschieden“, betont Reinhard. Jährlich ist er rund 5.000 Kilometer mit seinem Käfer unterwegs, besucht VW-Treffen oder unternimmt Ausfahrten. „Der Wagen ist alltagstauglich, aber für den Alltagseinsatz viel zu schade. Ich fahre ihn mit Saisonkennzeichen nur im Sommer“, betont der Besitzer. Die Gesamtlaufleistung ist unbekannt, auf dem Tacho stehen 79.800 Kilometer. „Dieser Käfer macht einfach Spaß“, schwärmt Reinhard. Und, wie bereits gesagt: Ein bisschen Spaß muss sein…



Scene Facts:

Marke: Volkswagen
Modell: Käfer
Baujahr: 1968
Motor: Vierzylinder Typ 1, 2.085 ccm, Porsche-Ventile, Porsche-Gebläse, 2 x 48er Weber-Doppelvergaser
Auspuff: 4-in2-Anlage
Leistung: 150 PS
Getriebe: 4-Gang-Schaltgetriebe, Gene-Berg-Shifter, Heckantrieb
Fahrwerk: Verstellbare CSP Vorderachse, einstellbare Schräglenker-Hinterachse, Koni-Stoßdämpfer vorne u. hinten, Tieferlegung um 10 mm
Bremsanlage: Kerscher
Felgen: Fuchs 6 J x 16 Zoll vorne u. 7 J x 16 Zoll hinten
Reifen: Nankang Ultra Sport 195/45-16
Karosserie: Serie, Zweikammer-Rückleuchten rot
Interieur: Recaro-Sitze, Momo-Lenkrad, Porsche-Armaturen, Dachhimmel aus Velours
HiFi: Autoradio Kenwood, Verstärker Magnat, Boxen Magnat

Von: Text:Thomas Borowski, Fotos: Heinz-Peter Keller

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