Ein VW zum Schocken



Spontankauf für 1.500 Euro – 1979er Käfer 1200

Dieser Käfer war ein echter Glücksgriff. Karsten Feldmann, 27, aus Großheide entdeckte den 1200er VW aus dem Baujahr 1979 im Internet. „Einen Käfer wollte ich schon immer fahren“, erzählt er. „Ich habe ihn mir angeschaut und spontan gekauft.“ Viel Geld kostete er nicht – gerade einmal 1.500 Euro. Der Ratten-Look entstand über die Jahre von ganz alleine. „Ich habe den Käfer gekauft und so belassen. Er steht immer draußen, und der Lack ist über die Zeit einfach verblichen“, erläutert der Tischler und Volkswagen-Fan.

Besonders viel Spaß bereiten ihm die neugierigen Blicke der anderen. „Mit diesem Käfer kann man andere Leute schocken“, weiß Karsten nur zu gut. Optisch sieht der VW rattig aus, aber technisch ist alles tipp-top. Das Einzige, was er am Käfer veränderte, war der Einbau einer vorderen Tieferlegungsachse und das Verdrehen der hinteren Drehstäbe, um das Auto tieferzulegen. „Die normale Höhe gefiel mir nicht“, erklärt Karsten. Außerdem trieb er originale Radkappen auf und montierte sie ebenso wie einen Dachgepäckträger.
Sparen ist seit jeher Standard beim Käfer. Von 1938 bis 1949 wurden nur Standard-Modelle gebaut. Der Weltmeister aller Klassen kam als Sparmodell zur Welt - und beendete seine Karriere auch als Sparkäfer. Kein Chrom im Scheibenrahmen und einfache Türpappen – ein Sparkäfer will alles, nur nicht auffallen. Das gilt nicht ganz für Karstens Käfer. Ursprünglich musste der Standard mit einem schlichten Zwei-Speichen-Lenkrad und einer unverkleideten Armaturentafel auskommen. Karstens VW trägt aber ein Sportlenkrad und Zusatzarmaturen.
Ein Export-Käfer dagegen glänzte seinerzeit mit Chromschmuck, war deutlich besser gedämpft und innen auch hochwertiger ausgestattet. Doch auf Luxus legt der Käfer-Fan aus Ostfriesland überhaupt keinen Wert. „Ich liebe Käferfahren pur“, betont Karsten. Sogar auf Chrom-Radkappen für seinen VW verzichtete er. Zum Produktionsende im Werk Emden im Januar 1978 trumpfte der letzte deutsche Käfer – mit Zigarettenanzünder und abblendbarem Innenspiegel – dagegen wieder auf. Es war ein Luxus-Standardmodell. Und als 1200 L war es bis 2003 der Export-Käfer aus Mexiko.
Unvergesslich bleibt der Moment, als er zum Deichboxer-Treffen 2015 aufbrechen wollte und der Motor urplötzlich den Geist aufgab. „Schuld war ein Kurbelwellenbruch“, erinnert sich Karsten. Seinerzeit war ein getunter 1600er Motor verbaut, mit scharfer Nockenwelle und Doppelvergasern und 65 PS Leistung. Der musste dann raus und wich einem normalen 1200er Motor mit 34 PS. „Natürlich geht der Käfer jetzt nicht mehr so gut wie damals. Aber wer langsam fährt, wird länger gesehen“, tröstet sich Karsten. Außerdem will er über kurz oder lang das 1,6-Liter-Triebwerk wieder herrichten. „Aber das eilt nicht“, betont er.
Schließlich ist man mit einem Käfer entspannt und eher verhalten unterwegs. Karsten genießt den Sound des Boxermotors im Heck und die Einfachheit dieses Autos. „Für mich ist der Käfer das schönste und beste Auto, das es gibt“, schwärmt er. Und dieser VW läuft und läuft und läuft und läuft...



Scene Facts:

Typ: VW Käfer 1200
Baujahr: 1979
Motor: Vierzylinder-Boxermotor, 1.192 ccm
Leistung: 34 PS
Getriebe: 4-Gang-Schaltgetriebe, Heckantrieb
Auspuff: Bugpack
Fahrwerk: verstellbare Vorderachse, Drehstäbe der Hinterachse verstellt, Gasdruck-Stoßdämpfer, Stabilisator entfernt, Tieferlegung
Bremsanlage: Scheibenbremsen vorne, Trommelbremsen hinten
Felgen: Kronprinz 5,5 J x 15 Zoll ET 27 vorne u. 7 J x 15 Zoll ET 16 hinten
Bereifung: Barum 195/45-15 vorne u. 205/50-15 hinten
Karosserie: Schwarz, Dachgepäckträger
Interieur: Serie, Sportlenkrad Raid, Zusatzinstrumente im Armaturenbrett, Empi-Schalthebel

Von: Text: Thomas Borowski, Fotos: Dominique Fourcade

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